Wer einmal in einem skandinavischen Sommer unterwegs war, hat sie vielleicht bei Wanderungen in Feuchtgebieten entdeckt: eine goldene Beere, ganz zart und bei uns weitestgehend unbekannt. Die Moltebeere, auch „Königin der Beeren“ genannt, ist eine Kostbarkeit des Nordens – und aus ihr entsteht eine der feinsten Delikatessen der nordischen Küche: Moltebeerenmarmelade.
Ihr Geschmack ist einzigartig. Ich würde sie als eine Mischung aus reifer Aprikose, feinem Honig und einem Anteil Zitrusaroma beschreiben. Kein Wunder, dass die Moltebeerenmarmelade nicht nur in Norwegen oder Schweden auf dem Frühstückstisch ein Genuss ist. Besonders mag ich die kernlose Variante, die kleinen und festen Samen der Moltebeere finde ich in der Marmelade ein wenig störend.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie du die Wildfrucht in eine samtige Moltebeerenmarmelade ohne Kerne verwandelst – mit Rezept, Tipps zur Verarbeitung und einem ausführlichen Blick auf diese ganz besondere und seltene Frucht.
Inhalt

Die Moltebeere im Porträt
Die Moltebeere – auf Schwedisch „hjortron“, auf Norwegisch „multe“ – ist eine kleine, goldene Wildfrucht, die beinahe wie ein gut gehütetes Geheimnis in den Moorlandschaften des Nordens wächst.
Botanisch gehört sie zur Gattung der Rubus-Arten und ist damit verwandt mit Himbeere und Brombeere. Doch im Gegensatz zu ihren bekannten Verwandten gedeiht die Moltebeere nur unter ganz bestimmten Bedingungen: in kühlem, feuchten Klima, auf saurem Boden, mit viel Licht – und viel Geduld.
Ihre Erntezeit ist kurz, meist nur wenige Wochen im Juli und August. Außerdem trägt jede Pflanze nur wenige Beeren, daher gilt sie in vielen Regionen als echtes Luxusgut und ist auch entsprechend teuer. In Lappland wird sie von Hand gepflückt, oft fernab der Straßen in den Feuchtgebieten. Die Fundstellen werden oft wie ein Geheimnis gehütet und nicht weitergegeben.
Geschmacklich ist die Moltebeere schwer zu beschreiben: süßlich, herb, mit einer exotisch-fruchtigen Note, die an Aprikose, Mango oder Honig erinnert. Vermutlich variiert das auch noch je nach Reifegrad.
Kein Wunder also, dass sie in Form von Moltebeerenmarmelade zu den begehrtesten Spezialitäten der nordischen Küche zählt. Was die Freude jedoch ein wenig trübt: die Moltebeere hat ähnlich wie die Himbeere feste Kerne, die beim Verzehr durchaus stören können. Genau deshalb greifen viele Feinschmecker gern zur Moltebeerenmarmelade ohne Kerne, bei der die reine Frucht im Mittelpunkt steht.
Traditionelle Verwendung der Moltebeeren
In Skandinavien ist die Moltebeere sehr beliebt, sie ist Teil der Kultur und quasi ein Stück nordisches Lebensgefühl auf dem Teller. Besonders in Norwegen, Schweden und Finnland gilt sie als kulinarischer Schatz des Nordens, der als Delikatesse gesehen wird.
Klassisch serviert man die Moltebeerenmarmelade – ähnlich wie die Preiselbeeren – zu Käse, vor allem zu kräftigem Blauschimmelkäse oder mildem Ziegenkäse. Die Kombination aus Süße und Säure der Beere harmoniert perfekt mit würzigen Aromen. Auch zu Wildgerichten wird sie gereicht.
Natürlich darf sie auch im Dessertbereich nicht fehlen: auf frischen Waffeln mit Schlagsahne, als Füllung von Pfannkuchen oder als edler Spiegel unter Vanilleeis.

In Lappland gehört die Beere geradezu zur kulinarischen Identität. Dort wird sie nicht nur zu Marmelade verarbeitet, sondern auch zu Likör, Sirup oder Soßen. Die wertvolle Frucht wird häufig eingefroren, um sie das ganze Jahr über verwenden zu können.
Moltebeerenmarmelade ohne Kerne selber machen
Wer schon einmal eine Moltebeere probiert hat, weiß: ihr Geschmack ist zart und Intensiv zugleich. Doch wer daraus Moltebeerenmarmelade herstellen möchte, steht schnell vor einer kleinen Herausforderung in Form vieler kleiner, fester Kerne.
Zwar sind diese essbar, doch gerade in feiner Marmelade empfinde ich sie eher als störend. Deshalb lohnt sich der zusätzliche Schritt, die Fruchtmasse zu passieren – für eine Moltebeerenmarmelade ohne Kerne, die samtig weich ist und den puren Geschmack der Beeren in den Vordergrund stellt.
Ich bereite diese Marmelade meist im Schwedenurlaub zu, da diese Beeren in Deutschland kaum zu bekommen sind. Vielleicht machst du auch demnächst Urlaub in Skandinavien und überlegst, in deinem Ferienhaus auch einmal Moltebeerenmarmelade zu kochen? Dann ist dieser Artikel genau richtig für dich!
So kommst du Schritt für Schritt zur kernlosen Moltebeerenmarmelade:
Beeren vorbereiten
Frische Moltebeeren kurz waschen und ggf. verlesen. Tiefgefrorene Moltebeeren kannst du direkt weiterverarbeiten, ohne sie zuvor aufzutauen.
Fruchtmasse erhitzen
In einem Topf die Fruchtmasse langsam erwärmen, bis die Beeren weich werden und der Saft austritt. Dabei gelegentlich umrühren.
Passieren
Die heiße Fruchtmasse durch ein feines Sieb oder eine Flotte Lotte streichen, um Kerne und Schalen zu entfernen. Es bleibt ein dickes, aromatisches Fruchtpüree zurück.
Mit Gelierzucker aufkochen
Das passierte Püree mit Gelierzucker (ich verwende gern Gelierzucker 2:1) vermengen. Außerdem gebe ich gern einen halben Teelöffel Zitronensäure hinzu, das macht die Marmelade später ein wenig fester.
Einkochen und Abfüllen
Die Mischung ca. 10 Minuten sprudelnd kochen lassen, nach ca. 8 Minuten eine Gelierprobe machen. Wenn die Gelierprobe fest wird, dann die Moltebeerenmarmelade heiß in die vorbereiteten Gläser füllen und fest verschließen.
Das Ergebnis …
… ist eine goldene, samtige Moltebeerenmarmelade ohne Kerne, die auf dem Frühstückstisch ebenso begeistert, wie als feines Topping auf Waffeln oder Süßspeisen.
Moltebeerenmarmelade ohne Kerne
Zutaten
- 1 kg Moltebeeren frisch oder tiefgefroren
- 500 Gramm Gelierzucker 2:1
- 1/2 TL Zitronensäure
- 100 Milliliter Wasser
Zubereitung
- Zunächst alle Zutaten und das benötigte Equipment auf der Arbeitsfläche bereitstellen.
- Die Moltebeeren ggf. säubern und verlesen und dann mit dem Wasser in einen großen Topf (großer Durchmesser ist vorteilhaft) geben. Unter gelegentlichem Rühren erhitzen und ca. 5-10 Minuten köcheln lassen. Die Beeren sollten weich werden und Saft austreten.

- Nun legst du ein feines Sieb oder eine Flotte Lotte über eine Schüssel oder ein anderes geeignetes Behältnis und passierst so die erhitzte Beerenmasse. Hier solltest du sehr gründlich arbeiten, um möglichst das gesamte Fruchtfleisch zu erhalten.

- Das Ergebnis ist ein halb-flüssiges Püree aus Fruchtfleisch. Die im Sieb verbleibenden Kerne und festen Bestandteile kannst du entsorgen.

- Das Fruchtfleisch-Püree gibst du nun wieder in einen geeigneten Topf und vermischst es mit dem Gelierzucker zu einer homogenen Masse. Ebenso rührst du die Zitronensäure unter.

- Nun alles wieder um Kochen bringen und ca. 10 Minuten sprudelnd köcheln lassen. Während dessen kannst du schon mal die Gläser vorbereiten, heiß ausspülen und zum Befüllen bereitstellen.
- Nach ungefähr 8 Minuten machst du eine Gelierprobe. Dazu gibst du einen kleinen Klecks der Marmelade auf einen Teller und stellst diesen kurz in den Kühlschrank. Wenn der Klecks beim Abkühlen fest wird, hat die Marmelade die Gelierprobe bestanden und ist bereit zum Abfüllen. Anderenfalls einfach noch ein wenig weiter köcheln lassen.
- Mit Hilfe eines Marmeladentrichters füllst du nun die Marmelade in die bereitgestellten Gläser und drehst die Deckel fest zu. Nach Belieben kannst du nun noch Etiketten beschriften, damit du später genau weißt, was sich in den Gläsern befindet.


FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Moltebeere und zur Moltebeerenmarmelade
Was sind Moltebeeren?
Moltebeeren sind seltene Wildfrüchte aus dem hohen Norden, die in Moor- und Sumpfgebieten wachsen. Sie sind goldgelb bis bernsteinfarben, haben einen süß-säuerlichen Geschmack und gelten in Skandinavien als Delikatesse.
Wo kann man Moltebeeren kaufen?
Frische Moltebeeren sind schwer erhältlich und meist nur in nördlichen Regionen (z.B. Skandinavien) zur Erntezeit im Juli/August zu finden. Alternativ gibt es tiefgefrorene Beeren, Marmelade oder Konfitüre in spezialisierten Feinkostläden oder Online-Shops.
Warum enthält Moltebeerenmarmelade oft viele Kerne?
Moltebeeren haben viele kleine, harte Steinchen (ähnlich wie Himbeeren), die beim Einkochen oft in der Marmelade verbleiben. Diese Kerne können beim Essen stören, deshalb bevorzugen viele eine kernlose Variante.
Wie kann man Moltebeerenmarmelade ohne Kerne herstellen?
Nach dem Erhitzen oder kurzen Einkochen wird die Fruchtmasse durch ein feines Sieb oder ein Passiergerät (z.B. Flotte Lotte) gestrichen. So bleibt das Fruchtfleisch erhalten, während die Kerne entfernt werden.
Welches Verhältnis von Frucht zu Zucker ist ideal?
Für kernlose Moltebeerenmarmelade empfiehlt sich ein Verhältnis von etwa 2:1 Frucht zu Zucker bei Verwendung von Gelierzucker 2:1. So bleibt der Fruchtgeschmack und das Aroma erhalten. Zusätzlich kann noch etwas Zitronensäure für bessere Gelierfähigkeit hinzugefügt werden.
Wie lange ist Moltebeerenmarmelade ohne Kerne haltbar?
Bei hygienischer Zubereitung und in sterilen Gläsern hält sich die Marmelade ungeöffnet etwa 12 Monate an einem kühlen, dunklen Ort. Nach dem Öffnen sollte sie im Kühlschrank gelagert und innerhalb weniger Wochen verbraucht werden.
Kann man Moltebeerenmarmelade mit anderen Früchten mischen?
Ja, zum Beispiel mit Himbeeren, Preiselbeeren oder Blaubeeren. So erhält man mehr Volumen, Farbe und eine harmonische Säure. Achte darauf, dass die Beeren gut zusammenpassen und die Gelierfähigkeit erhalten bleibt.
Sind Moltebeeren gesund?
Moltebeeren enthalten viel Vitamin C, Antioxidantien und Ballaststoffe. Ihre Marmelade ist daher nicht nur geschmacklich besonders, sondern auch gesundheitlich interessant – sofern sie nicht zu stark gesüßt wird.
Können Moltebeeren kultiviert werden?
Ja, Moltebeeren könnten theoretisch kultiviert werden. Aber sie werden nach wie vor fast ausschließlich wild gesammelt, weil das Kultivieren sehr schwierig und sehr anspruchsvoll ist.
Moltebeeren sind zweihäusig, d.h. es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Für Früchte müssen beide Geschlechter gepflanzt werden. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, die Fruchtbildung ist unregelmäßig, selbst unter optimalen Bedingungen.
Die Pflanzen benötigen einen sehr sauren Boden, der torfig, humusreich und nährstoffarm ist. Der Standort muss feucht sein, außerdem bevorzugen die Pflanzen kühles Klima mit viel Licht und sind empfindlich bei Trockenstress.
Weitere Rezepte für Marmeladen & Co
Auf SilverTravellers findest du noch viele weitere Rezepte für köstlichen Brotaufstrich – ob süß oder herzhaft. Stöbere einfach selbst in der betreffenden Kategorie.
Bitte gib mir Feedback
Hast du dieses Rezept ausprobiert und selbst einmal Moltebeerenmarmelade ohne Kerne zubereitet? Wie schmecken dir die Moltebeeren die daraus hergestellte Marmelade? Erzähle bitte mit Hilfe der Kommentarfunktion unter diesem Artikel von deinen Erfahrungen. Ich freue mich immer sehr über Feedback.
Es ist Frühstückszeit!
Solch eine köstliche Moltebeerenmarmelade ohne Kerne ist natürlich perfekt für den Frühstückstisch. Weitere köstliche Rezepte aus aller Welt rund um das Thema Frühstück sammeln wir in unserer Bloggeraktion „Kulinarische Weltreise“. Hier findest du die Beiträge der anderen Teilnehmer.
- Simone vom Blog Zimtkringel hat Petit Pains au Chocolat gebacken und entführt uns damit an den Frühstückstisch Frankreichs.
- Mit Wilma von Pane-Bistecca geht es in die Schweiz – sie präsentiert uns Birchermüsli und Roggen-Vollkorn Brot mit Joghurt.
- Niederländischen Frühstückskuchen Ontbijtkoek und das Den Haager Frühstücksgebäck Haags Ontbijt stellt uns Susanne vom Blog magentratzerl vor.
- Wenn du Lust auf ein indisches Frühstück hast, dann schau doch mal bei Petra von Chili und Ciabatta vorbei. Sie präsentiert uns Semiya Upma – Vermicelli Upma. Dabei handelt es sich um ein herzhaftes Gericht aus gerösteten Vermicelli (Fadennudeln).
- Cilbir – ein Rezept für türkische Eier mit Joghurt – findest du auf dem Blog Brotwein von Sylvia.
- Ein ganz klassisches – und überaus köstliches – Frühstück aus Deutschland steuert Britta auf ihrem Blog Brittas Kochbuch bei: Strammer Max.
- Jenny vom Blog Jenny is baking hat ebenfalls Eier zubereitet – diesmal auf kolumbianische Art. Probiere das Rezept für Huevos pericos – kolumbianisches Rührei doch einfach mal aus!
- Ein Brioche Rezept für ein einfaches süßes Hefebrot aus Frankreich findest du auf dem Blog Küchentraum & Purzelbaum von Kathrina.
- Auf einem österreichischen Frühstückstisch kannst du den Frühstücks- oder Altwiener Guglhupf von Friederike finden – das Rezept präsentiert sie uns auf ihrem Blog Fliederbaum.
- Regina von Bistroglobal nimmt uns mit nach Malaysia und serviert Nasi Lemak zum Frühstück.









Leider konnte ich noch nie Moltebeeren probieren. Aber wenn ich irgendwo mal diese Konfitüre entdecke, werde ich zuschlagen!
Noch nie gegessen, aber schon öfter von gehört, finde toll, dass du das im Urlaub gemacht hast!
Liebe Cornelia,
ich glaube, Moltebeerenmarmelade kenne ich tatsächlich aus dem schwedischen Möbelhaus und habe sie als leicht säuerlich in Erinnerung.
Schön, dass Du so viele Hintergrundinformationen mitbringst!
Liebe Grüße
Britta
Ja, leicht säuerlich trifft es genau – und gleichzeitig sehr aromatisch.
Das klingt ja auch sehr lecker. Ich war jetzt schon häufig im Sommer in Skandinavien, aber bewusst aufgefallen sind mir die Beeren nicht. Möglicherweise war ich aber auch einfach viel zu sehr auf die Blaubeeren fixiert. Beim nächsten Mal werde ich da mal drauf achten.
Eine farblich schöne Marmelade und süß-säuerlich würde mir auch gefallen, genau so wie Marmeladekochen im Ferienhaus! Ich konnte Moltebeeren leider noch nie kosten (und war auch noch nicht in Skandinavien), werde aber im schwedischen Möbelhaus nach der Marmelade Ausschau halten!
lg aus Wien
(Übrigens, dein hübscher Elch gefällt mir ebenfalls! Wir hatten in Österreich in den letzten Wochen mediale Aufregung wegen Elch „Emil“, der 500 km durchs Land zog und tw. Straßen- und Bahnsperren verursachte. Vorgestern wurde er betäubt und in einen grenznahen Nationalpark gebracht…)
Ja, im schwedischen Möbelhaus gibt es die Marmelade – allerdings leider in einer Variante mit Kernen. Von dem Elch Emil hatte ich gelesen, er näherte sich wohl einer Autobahn und musste daher umgesiedelt werden. Ist ja auch nicht ganz ungefährlich. In Schweden sind an vielen Straßen rechts und links Zäune, die Elche davon abhalten sollen, plötzlich auf die Straße zu laufen.
Ich habe von diesen Beeren durch meinen Schwager gehoert, der eine Reise im Norden machte. Gegessen habe ich sie aber noch nie. Aber wenn sie saeuerlich sind, dann sind sie ganz nach meinem Geschmack!
LG Wilma
Liebe Cornelia, natürlich hatte ich von Moltebeeren schon gelesen. Aber darunter vorstellen konnte mich mir gar nichts. Deshalb gefällt es mir besonders, neben dem Rezept der Marmelade, dass ich nur gründlich „aufgeklärt“ wurde. Viele Grüße, Regina
Moltebeeren sind toll und deine Marmelade auch – aber leider sind die Beeren hier kaum aufzutreiben, das schreit ja förmlich nach einer Reise…