Unter meinem Blogbeitrag Meine perfekten 48 Stunden in Dresden gibt es einen Kommentar von Jenny. Sie stellt fest, dass wir in den 48 Stunden ja nur die Hälfte Dresdens gesehen und nicht die Dresdner Neustadt besucht haben. Was für ein Fauxpas! Ich gestehe, die Neustadt hatte ich so gar nicht auf dem Schirm. So habe ich im Vorfeld unseres nächsten Kurztrips nach Dresden erst einmal recherchiert, welche Highlights in der Dresdner Neustadt zu finden sind.
Inhalt
Ich lese bei meiner Recherche etwas von Studentenszene und Kneipenviertel und gerate ein wenig ins Zweifeln. Gehöre ich da mit ü50 überhaupt zur Zielgruppe? Egal, wir werden uns das einfach mal anschauen. Zwei interessante Sehenswürdigkeiten fallen mir dann allerdings bei der Recherche doch ins Auge: Pfunds Molkerei, der angeblich schönste Milchladen der Welt und die Kunsthof-Passage mit fantasievoll gestalteten Innenhöfen machen neugierig. Beides landet direkt auf unserem Programm für einen Besuch der Dresdner Neustadt. Ansonsten werden wir uns treiben lassen.
Was ist die Dresdner Neustadt?
Das Gebiet liegt nördlich der Elbe und erstreckt sich von der Albertbrücke bis zur Stauffenbergallee. Es besteht aus zwei Teilen: der Inneren Neustadt und der Äußeren Neustadt.
Innere Neustadt
Die Innere Neustadt ist das historische Herz des Viertels und zeichnet sich durch barocke Architektur und breite Straßen aus. Hier befinden sich viele bedeutende Sehenswürdigkeiten, darunter das Japanische Palais, die Dreikönigskirche und die Reiterstatue von August dem Starken. Die Innere Neustadt wurde nach dem großen Stadtbrand von 1685 im Barockstil wiederaufgebaut und bietet heute eine Mischung aus historischen Gebäuden und modernen Geschäften sowie Restaurants.
Äußere Neustadt
Die Äußere Neustadt ist als alternatives und kreatives Zentrum Dresdens bekannt. Dieses Viertel wurde im 18. und 19. Jahrhundert erbaut und hat sich zu einem der lebendigsten Stadtteile der Stadt entwickelt. Es ist berühmt für seine bunte Straßenkunst, vielfältige Kulturszene und ein pulsierendes Nachtleben. In den engen Gassen finden sich zahlreiche Bars, Clubs, Restaurants und kleine Geschäfte. Besonders bekannt ist die Alaunstraße, die als Hauptader des Viertels gilt.
Die Dresdner Neustadt ist gar nicht so neu!
Überraschung! Entgegen ihres Namens ist die Dresdner Neustadt gar nicht so neu. Statt Betonschluchten und Plattenbau ist die Innere Neustadt zum Teil vom Barock geprägt und in der Äußeren Neustadt erwarten uns Gründerzeitbauten und Jugendstil-Architektur. Alter ist eben relativ, sag‘ ich doch schon immer!
Während die barocken Gebäude der Inneren Neustadt auf die Zeit Augusts des Starken – und zum Teil seines Vorgängers – zurückgehen, entstand die Äußere Neustadt im 19. Jahrhundert im typischen Gründerzeitstil. Die Dresdner Neustadt wurde während der Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg deutlich weniger beschädigt als die Altstadt und so blieben dort viele der Altbauviertel erhalten und besitzen heute ihren ganz eigenen Charme. Ein Charme, der auf mich an manchen Stellen durchaus ein wenig spröde wirkt. Im Gegensatz zur harmonischen Dresdner Altstadt finden sich hier doch einige Brüche, es wirkt an manchen Stellen sogar schmuddelig.
Nach langer Suche haben wir endlich in einer der engen Straßen einen Parkplatz gefunden, ziehen ein Parkticket und machen uns auf den Weg zu zwei Highlights der Äußeren Neustadt: wir möchten die Kunsthof-Passage und Pfunds Molkerei besuchen.
Prachtvoll sanierte Gründerzeit-Fassaden stehen im Kontrast zu Graffiti-bemalten Wänden und Hauseingängen, aus denen ein muffiger Kellergeruch strömt. Wir gehen an vielen Stellen über die typischen Granit-Gehwegplatten aus DDR-Zeiten, die nahezu unverwüstlich sind. Tatsächlich erinnern mich diese Gegensätze und dieser spröde Charme an unseren Besuch im italienischen Palermo. Vielleicht tragen auch die aktuellen Temperaturen zu diesem Eindruck bei – wir haben schon wieder beinahe 30 Grad Celsius.
In den vielen Restaurants und Bars entlang der schmalen Straßen und Gassen ist während unseres Besuches am späten Vormittag noch nichts los. Vereinzelt sitzen einige junge Leute an den Tischen, die vor den Restaurants auf den Gehweg gequetscht sind, und genießen einen Kaffee, ein spätes Frühstück oder frühes Mittagessen – who knows?
Unser erstes Ziel ist die Kunsthof-Passage. Wir betreten die Höfe über den Eingang in der Alaunstraße – und sind in einer ganz anderen Welt.
Die Kunsthof-Passage Dresden
An der Straße weist nur ein kleines Schild auf die Passage hin, die sich zwischen Alaunstraße und Görlitzer Straße über mehrere Innenhöfe erstreckt. Wohnungen, Kunst, Handel und Gastronomie teilen sich die Flächen. Jeder der Höfe ist einem anderen Thema gewidmet. Zuerst betreten wir den Hof der Fabelwesen, dessen Wände mit verschiedenen Phantasiewesen bemalt sind.
Ein Durchgang führt weiter in den Hof des Lichts, wo mir auf Anhieb ein kleines Café auffällt. Einige Tische davor laden zum Verweilen ein. Hier werden wir nach unserem Rundgang auf einen Kaffee einkehren!
Zunächst aber führen wir unsere Besichtigung fort – vom Hof des Lichts kommen wir in den Hof der Elemente. Bei Regen muss dieser Hof ein tolles Spektakel bieten – die Fallrohre der Regenrinnen sind total dekorativ an der Fassade angebracht und gehen an einigen Stellen in Wasserspiele über. Nun, andererseits bin ich ganz froh, dass während unseres Besuches dort die Sonne lacht – ich erwähnte ja gerade Café und Innenhof … Das Haus gegenüber ist mit goldglänzenden wellenförmigen Blechen verziert, deren Bedeutung sich mir nicht auf Anhieb erschließt. Irgendwie sieht es aus, als würde die Wand abblättern. Hübsch ist es auf jeden Fall.
Wir können uns lange nicht von diesem schön gestalteten Hof losreißen, nicht ahnend, dass uns im nächsten Hof noch prachtvollere Fassaden erwarten würden. Im Hof der Tiere klettern Affen an den Wänden und schauen auf eine riesige Giraffe herab.
Der letzte Hof, durch den wir schließlich wieder zurück zum bereits erwähnten Café gelangen, kann irgendwie mit den anderen nicht mithalten. Zwei rostig wirkende Metallpaneele an der Hauswand lassen mich bezüglich ihrer Bedeutung ein wenig ratlos. Es ist der Hof der Metamorphosen – und später lese ich, dass unter diesen Paneelen Glasfaserbündel liegen, die nach Einbruch der Dunkelheit für ein Farbenspiel sorgen.
Jetzt ist aber doch Zeit für eine kurze Rast. Das Café im Kunsthof kommt uns dazu gerade gelegen. Ein köstlicher Eiskaffee erfrischt und macht fit für die nächste Sehenswürdigkeit in der Dresdner Neustadt.
Fazit: Die Kunsthofpassage in Dresden ist ein herausragendes Beispiel für urbane Kunst und kreatives Design. Sie bietet eine einzigartige Mischung aus Kunst, Kultur und Kommerz und ist ein Muss für jeden Besucher der Dresdner Neustadt. Die künstlerisch gestalteten Höfe laden zum Verweilen, Entdecken und Genießen ein und machen die Passage zu einem besonderen Highlight in Dresden.
Pfunds Molkerei Dresden – der schönste Milchladen der Welt
Von der Kunsthofpassage ist es nicht weit bis zur Bautzner Straße. So lassen wir unser Auto auf dem mühsam gefundenen Parkplatz stehen und spazieren zum schönsten Milchladen der Welt. Vorüber am alten Jüdischen Friedhof und an der Martin-Luther-Kirche erreichen wir nach kurzem Fußweg die Bautzner Straße. Hier wird gerade fleißig saniert und umgebaut, einige Fassaden sind eingerüstet.
Der Laden von Pfunds Molkerei ist nicht zu verfehlen. Direkt davor ist eine Haltestelle der Hop on Hop off-Stadtrundfahrten. Leider hält auch just in dem Moment, als wir am Geschäft ankommen, ein Bus und entlässt eine Gruppe Touristen. Natürlich möchten sich diese alle ebenso wie wir den berühmten Milchladen anschauen und es wird ziemlich voll. Da hilft nur Warten – nach einer Weile haben alle Besucher genug geschaut und wir können ganz in Ruhe hineingehen. Wunderschön ist der Laden gestaltet.
Wusstest du, dass Erich Kästner während seiner Kindheit in der Äußeren Neustadt gelebt hat? Ja, genau – der Erich Kästner, den du bestimmt durch Kinderbücher wie „Emil und die Detektive“, „Das doppelte Lottchen“ und „Das fliegende Klassenzimmer“ kennst. Und vielleicht geht auch auf ihn die Bezeichnung „schönster Milchladen der Welt“ zurück – als solchen bezeichnete Kästner in seinem Werk „Als ich ein kleiner Junge war“ den Laden von Pfunds Molkerei. Selbiges – nämlich, dass Pfunds Molkerei immer noch der schönste Milchladen der Welt ist, hat das Guinness Buch der Rekorde im Jahr 1997 ebenfalls bestätigt. Die entsprechende Urkunde hängt im Fenster des Ladengeschäftes.
Fast 250 Quadratmeter handbemalte Fliesen von Villeroy & Boch, zusammengefügt zu einem wahren Kunstwerk, sind dann auch wirklich so eine Auszeichnung wert. Das dominierende Blau-Weiß erschlägt mich fast, als ich das Ladengeschäft betrete und ich weiß gar nicht, wohin ich zuerst schauen soll. Prachtvolle Ornamente, Wandbilder, Säulen und sogar ein (nicht mehr in Betrieb befindlicher) Milchbrunnen sind zu bestaunen.
Einige der wunderschönen Motive gibt es übrigens auch zum Mitnehmen für zu Hause – als einzelne Porzellanfliesen beispielsweise. Oder als Frühstücksbrettchen aus Porzellan, spülmaschinen- und schnittfest.
Fazit: Pfunds Molkerei ist nicht nur ein Milchladen, sondern ein historisches und kulturelles Juwel in Dresden. Mit seiner beeindruckenden Jugendstil-Architektur, der reichen Geschichte und den interessanten Produkten bietet es ein unvergessliches Erlebnis für Einheimische und Touristen gleichermaßen. Ein Besuch bei Pfunds Molkerei ist ein Muss für jeden Dresden-Reisenden, der sich für Geschichte, Kunst und kulinarische Genüsse interessiert.
Das Fotografieren ist übrigens im Ladengeschäft nicht gestattet – ich hatte mir für unseren Besuch extra eine Fotogenehmigung der Geschäftsleitung eingeholt.
Weitere Tipps für (d)einen Besuch in Dresden
Mehr Informationen zu weiteren Highlights im wunderschönen Elbflorenz findest du in meinen anderen Blogbeiträgen über Dresden
- Meine perfekten 48 Stunden in Dresden habe ich in einem anderen Blogbeitrag auf SilverTravellers bereits beschrieben.
- Soll es ein Hotel inmitten der wunderschönen Altstadt sein? Schau mal in den Blogbeitrag über das Hotel Taschenbergpalais Kempinski Dresden
- Wie wäre es mit einem Ausflug zum berühmten Märchenschloss vom Aschenbrödel: Schloss Moritzburg?
- Besonders schön im Spätsommer und im Herbst: die Sächsische Weinstraße
- Immer einen Besuch wert: die Sächsische Schweiz
Hallo Cornelia,
danke für die Erinnerung an die Dresdner Neustadt, die geht wirklich gern bei Besuchen verloren. Irgendwie bleibt man immer in der Altstadt hängen oder fährt raus nach Pillnitz oder Moritzburg oder fährt in die Sächsische Schweiz. Ich weiss jetzt jedenfalls, wo ich bei meinem nächsten Besuch in Dresden vorbeischauen werde.
Liebe Grüsse
Susan
Pillnitz fand ich auch ganz toll, und Moritzburg mag ich ja sowieso. Schloss vom Aschenbrödel und so 😉
Mir geht es genau wie dir: Wir haben bei unserem ersten Dresden Besuch die Neustadt mehr oder weniger links liegen gelassen. Wir waren nur im Mama Afrika zum Essen.
Ach ja, man merkt immer erst hinterher, was man verpasst hat.
Aber es muss ja Gründe geben, nochmal dort hin zu fahren.
Liebe Grüße
Liane
Die Altstadt hat ja auch so viel zu bieten, da vergisst man die Neustadt einfach.
Wie schön! Ich habe jetzt schon öfter über die Dresdner Neustadt gelesen, irgendwie war ich während meiner Dresden Besuche noch nie dort. Definitiv beim nächsten Mal!