Ausflug zum Blutmond – wie ich die totale Mondfinsternis erlebte

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In der Nacht des 27. Juli 2018 gab es ein seltenes Schauspiel, auf welches sich viele (Hobby)-Astonomen und -Fotografen schon seit längerem freuten: eine totale Mondfinsternis, auch Blutmond genannt. Die Astronomische Gesellschaft Magdeburg e.V. hatte aus diesem Anlass zu einer Veranstaltung im Magdeburger Elbauenpark eingeladen. Vom Jahrtausendturm aus mit freier Sicht die totale Mondfinsternis beobachten und den Blutmond fotografieren – diese Aussicht war für mich genug Anreiz, die Veranstaltung auf meinen Terminkalender zu setzen. Auch wenn ich sonst nicht so ein begeisterter Sternengucker bin, dieses Schauspiel wollte ich mir unbedingt anschauen.

Natürlich habe ich mich Vorfeld ein wenig belesen – der Astronomie-Unterricht meiner Schulzeit liegt schon sehr, sehr lange zurück und hat leider auch keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Was ist eine totale Mondfinsternis und wieso heißt es Blutmond?

Der Mond selbst ist eigentlich dunkel. Wir können ihn nur deshalb von der Erde aus sehen, weil er von der Sonne angestrahlt wird. Eine totale Mondfinsternis entsteht, wenn sich die Erde genau zwischen Sonne und Mond schiebt und dadurch kein direktes Sonnenlicht mehr auf den Mond trifft. Der Mond befindet sich dann im Kernschatten der Erde. Das passiert nicht sehr oft und ist daher für alle (Hobby)-Astronomen und –Fotografen solch ein Highlight.

Dennoch ist der Mond auch zum Zeitpunkt der totalen Mondfinsternis nicht ganz dunkel und wir können ihn trotzdem noch erkennen. (Glücklicherweise, was sollte ich sonst bei der totalen Mondfinsternis fotografieren.) Wieso ist das so?

Wenn die totale Mondfinsternis eintritt, treffen zwar keine direkten Sonnenstrahlen mehr auf den Mond. Aber durch die Erdatmosphäre werden einige Sonnenstrahlen ‚umgelenkt‘ und erhellen so dennoch die Mondoberfläche. Es kann vorkommen, dass dabei einige Bestandteile des Lichts herausgefiltert werden und so erscheint der Mond mitunter rötlich. Das ist nun die Erklärung für den Begriff Blutmond. Also nicht wirklich ein Krimi – aber trotzdem spannend!

So nüchtern beschrieben klingt das Ganze nicht besonders faszinierend – aber man muss es einfach einmal erleben!

Wie kann ich den Blutmond fotografieren?

Natürlich wollte ich das Ganze auch fotografieren! Damit habe ich bisher zwar noch überhaupt keine Erfahrungen, aber schließlich ist immer irgendwann das erste Mal. Und im kommenden Jahr werden wir nach Lappland fahren, wo ich ebenfalls den Nachthimmel fotografieren möchte – mit ein wenig Glück kann man dort ja Polarlichter beobachten. Da ist das jetzt schon mal eine gute Übung.

Das geeignete Equipment

Vorab die schlechte Nachricht: mit dem Handy oder einer einfachen Digitalkamera wird das Ganze nicht wirklich etwas. Grundsätzlich zwar möglich, allerdings nur mit sehr, sehr deutlichen Abstrichen hinsichtlich der Qualität.

Ich empfehle eine Kamera, bei der man individuell die Parameter wie Blende, Belichtungszeit, ISO einstellen kann, den Blitz abschalten und auch manuell fokussieren kann. Außerdem ist ein Stativ von Vorteil.

Ein lichtstarkes Objektiv wäre natürlich toll. Aber ich denke, auch ein normales KIT-Objektiv der Spiegelreflexkamera sollte ausreichen, um ganz passable Fotos zu machen. Das kommt natürlich immer auf die jeweiligen individuellen Ansprüche hinsichtlich Qualität des Fotos an – aber ich bin schließlich auch kein Profi-Fotograf.

Ob Weitwinkel- oder Teleobjektiv verwendet wird, ist letztlich Ansichtssache und davon abhängig, was man eigentlich abbilden möchte. Bei einer Brennweite von 35 mm ist der Mond nur als kleiner Punkt im Foto abgebildet, dafür hat man mehr Umgebung – im Fall der Mondfinsternis im Juli 2018 beispielsweise den Mars – oder auch mehr Vordergrund mit auf dem Foto. Bei 300 mm erkennt man Details auf dem Mond und kann einen wunderschönen Farbverlauf abbilden, aber Mond und Mars gleichzeitig auf ein Foto zu bannen, dürfte kaum möglich sein.

Sehr hilfreich ist auch ein Fernauslöser für die Kamera. Damit vermeidet man, dass das (manuelle) Betätigen des Auslösers zum Verwackeln führt. Wenn kein Fernauslöser zur Verfügung steht, kann man auch mit dem Selbstauslöser improvisieren, der jeweils einige Sekunden zwischen Drücken des Auslösers und dem tatsächlichen Auslösen verzögert.

Die Einstellungen an der Kamera

Die Kamera-Einstellungen variieren im Laufe der Mondfinsternis. Über den gesamten Verlauf ändert sich sowohl die Helligkeit des Mondes als auch des ihn umgebenden Nachthimmels. Es sind unterschiedliche Parameter für die einzelnen Phasen der Mondfinsternis erforderlich und die Kamera-Einstellungen müssen ständig angepasst werden. Beim hell strahlenden Vollmond besteht die Gefahr der Überbelichtung. Steht der Mond im Kernschatten der Erde, bei der sogenannten Totalität, steht nicht mehr viel Licht für die Aufnahmen zur Verfügung.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, im Rahmen von Belichtungsreihen verschiedene Einstellungen auszuprobieren.

Fokus

Eigentlich ist der Mond die ganze Zeit gleich weit entfernt – da es ein wenig schwierig sein könnte, den verfinsterten Mond zu fokussieren, sollte der Fokus vor Beginn der Verfinsterung eingestellt und dann nicht mehr verändert werden. Dazu auf manuelle Fokussierung stellen.

Blitz

Der Blitz wird in diesem Fall nicht benötigt und muss ausgestellt werden.

Belichtungszeit

Bei der Wahl der Belichtungszeit ist zu berücksichtigen, dass sich der Mond auf seiner Bahn am Nachthimmel bewegt und nicht an einer Stelle still steht. Ist die Belichtungszeit zu lang, führt das zu einer Bewegungsunschärfe. So sind die maximal möglichen Belichtungszeiten auch abhängig von der gewählten Brennweite. Bei 35 mm sind Belichtungszeiten von bis zu 8 Sekunden möglich, bei 300 mm max. 1 Sekunde, um keine Bewegungsunschärfe zu erzielen.

ISO

Als Ausgangspunkt bei hellem Vollmond mit einem ISO-Wert von 100 starten und diesen dann je nach Helligkeit/Dunkelheit des Mondes in Korrelation zur Blende erhöhen. Generell würde ich den ISO-Wert so gering wie möglich wählen, um das Bildrauschen zu vermeiden.

Blende

Eine möglichst offene Blende (=kleine Blendenzahl) wählen, damit mehr Licht in das Objektiv fällt und kürzere Belichtungszeiten möglich sind.

Meine Vorbereitungen auf den Ausflug zum Blutmond

Schon einige Tage vorher habe ich mich auf das Ereignis vorbereitet. Ich habe

  • mich in die Theorie eingelesen,
  • nachgelesen, was da überhaupt am Nachthimmel passiert,
  • mich mit meinem Fotoapparat beschäftigt und das gesamte Equipment vorbereitet,
  • zwei Tage vor dem Ereignis schon mal das Fotografieren des fast vollen Mondes geübt,
  • aufmerksam den Wetterbericht verfolgt.

Nach den Probefotos habe ich mich für das Fotografieren mit Teleobjektiv entschieden. Eines der beiden KIT-Objektive, die damals beim Kauf meiner Spiegelreflexkamera im Paket enthalten waren, hat eine Brennweite von 70-300 mm. Das muss reichen!

Um den Standort musste ich mir zum Glück keine Gedanken machen – das hatten die Organisatoren von der Astronomischen Gesellschaft Magdeburg bereits gemacht. Der Jahrtausendturm im Elbauenpark würde freie Sicht auf den Horizont in Richtung Südosten bieten. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen.

Ausflug zum Blutmond Probefoto 2 Tage vor Vollmond
Ausschnittsvergroßerung aus einem Probefoto – ist doch schon ganz gut gelungen!

 

Der Ablauf der totalen Mondfinsternis

Nachdem es in den Tagen vor dem 27. Juli bei mehr als 30 Grad Celsius fast immer einen wolkenlosen Himmel über Magdeburg gab, waren ausgerechnet für den Abend dieses Tages Regen und Gewitter sowie ein bewölkter Himmel angekündigt. Den ganzen Nachmittag schaute ich ängstlich zum Himmel und musste beobachten, wie immer mehr Wolken aufzogen. Und tatsächlich – kaum hatten wir den Elbauenpark erreicht, verfinsterte sich der Himmel zusehends und wir mussten, angekommen am Jahrtausendturm, erst einmal vor dem Regen Schutz suchen.

Nach dem Regen, kurz nach 20 Uhr …. gab es immer noch viele, viele dicke Wolken. Und einen wundervollen Regenbogen. Wenn es schon bewölkt war und vielleicht nicht mit dem Fotografieren des Blutmonds klappen würde, musste wenigstens ein Foto von diesem schönen Regenbogen sein!

Blutmond totale Mondfinsternis Magdeburg Regenbogen

21:01 Uhr – Mondaufgang am südöstlichen Horizont

Ungefähr eine Stunde nach dem Regenbogen sollte nun eigentlich in Richtung Ost/Südost der Mond hinter dem Horizont hervorblinzeln. Sollte er. Tat er aber leider zumindest in Magdeburg nicht. Gegen die dicke Wolkenschicht hatte er wohl einfach keine Chance.

21:09 Uhr – Sonnenuntergang

Als würde irgendein Wettergott uns für diesen blöden bewölkten Himmel *grrr* entschädigen wollen, gab es an diesem Abend einen beeindruckenden Sonnenuntergang. In allen Schattierungen von Rot und Orange verabschiedete sich die Sonne am westlichen Horizont und sandte ihre letzten Strahlen dieses Tages in wunderschönen Farben weit über den Abendhimmel.

Blutmond totale Mondfinsternis Magdeburg Sonnenuntergang

Die Fotos vom Regenbogen und Sonnenuntergang sind übrigens Handy-Fotos. Ich hatte mich ja für das Teleobjektiv entschieden und dummerweise kein Weitwinkelobjektiv mitgenommen. Wieder etwas gelernt: immer eine Alternative mitnehmen!

21:30 Uhr – Beginn der totalen Phase

Weder den Eintritt des Mondes in den Kernschatten der Erde, noch den Beginn der totalen Phase der Mondfinsternis konnte man in Magdeburg beobachten. So langsam machte sich ein wenig Enttäuschung breit – immer noch begleitet von einer kleinen Hoffnung auf Wetterbesserung.

Und tatsächlich. Gegen 22 Uhr rief einer der Wartenden: „Da ist der Mond!“ Hektische Betriebsamkeit, alle scannten förmlich mit ihren Augen den Nachthimmel. Einen Moment dauerte es, dann sah ich ihn auch. Ganz schwach zwar, aber er war da. Und er war rot.

22:22 Uhr – der Höhepunkt: Maximale Verfinsterung

Alle Besucher auf dem Jahrtausendturm waren gleichermaßen begeistert, dass der Mond nun doch noch zu sehen war. Auch der Mars strahlte als kleiner Punkt ein wenig rechts unterhalb des Mondes am Nachthimmel. Viele, viele Fotos habe ich während dieser Phase gemacht. Hatte ich schon erwähnt, dass ich nicht unbedingt so ein begeisterter Sternengucker bin? Aber dennoch: unbeschreiblich faszinierend war es, den roten Mond am Himmel zu betrachten.

Blutmond totale Mondfinsternis Magdeburg 23 Uhr

Blutmond totale Mondfinsternis Magdeburg 23.05 Uhr

23:13 Uhr – Ende der totalen Phase

Das abschießende Highlight bei unserem Ausflug zum Blutmond schließlich war das Ende der totalen Phase. Es war deutlich zu beobachten, wie der Mond langsam aber stetig den Kernschatten der Erde verlässt. Zunächst nur wie eine schmale Sichel, strahlte die linke Seite des Mondes nach kurzer Zeit bereits deutlich sichtbar ganz hell und verdrängte immer mehr den Eindruck vom roten Blutmond.

Blutmond totale Mondfinsternis Magdeburg 23.15 Uhr

Blutmond totale Mondfinsternis Magdeburg 23.21 Uhr

Nach diesen Fotos habe ich dann mein ganzes Equipment wieder verstaut und damit war mein Ausflug zum Blutmond beendet.

Fazit

Die totale Mondfinsternis zu betrachten und fotografisch festzuhalten, war ein beeindruckendes Erlebnis – selbst bei den ungünstigen Bedingungen, die wir an diesem Abend in Magdeburg hatten.

Die Fotos sind nicht wirklich gut geworden, aber für mein erstes Mal Astrofotografie und mit einfachem Equipment (ihr hättet mal das riesige Objektiv des neben mir stehenden Fotografen sehen müssen!) finde ich die Ergebnisse ganz passabel.

Das Fotografieren hat mir sicher nützliche Erfahrungen für unsere Reise nach Finnland im kommenden Jahr gebracht. Dabei hoffe ich auf Polarlichter. Ganz oben auf meiner Reise Bucket List steht der Wunsch, diese einmal zu sehen und zu fotografieren.

Jetzt kann ich auch die Aussage nachvollziehen, dass man mit bloßem Auge die Polarlichter nicht so leuchtend grün sieht, wie sie die Kamera einfängt. Das war beim Blutmond nämlich ebenso – die Kamera hat die Szene deutlich klarer und farbiger dargestellt, als sie mit bloßem Auge zu erkennen war.

Die Checkliste

Zu guter Letzt habe ich noch eine Checkliste, um auf das Fotografieren einer totalen Mondfinsternis gut vorbereitet zu sein. Die totale Mondfinsternis mit dem Blutmond am 27. Juli 2018 war zwar mit 1 Stunde und 43 Minuten die bisher längste des 21. Jahrhunderts, aber natürlich nicht die letzte. Die nächste totale Mondfinsternis können wir über Europa bereits am 21. Januar 2019 beobachten. Und fotografieren. Das wird mein zweiter Versuch, sofern das Wetter es zulässt.

Vorher: noch einmal mit der Theorie vertraut machen

  • Was passiert da überhaupt am Nachthimmel?
  • welche Einstellungen für ISO, Blende, Belichtungszeit
  • wie erfolgen die manuellen Einstellungen an der Kamera
  • von welchem Standort kann ich die totale Mondfinsternis am besten beobachten

Equipment

  • Akku laden und ggf. Ersatzakku bereitlegen
  • Leere Speicherkarte/n bereitlegen
  • Stativ checken und bereitlegen
  • Fernauslöser checken und bereitlegen
  • Objektiv noch einmal überprüfen und ggf. reinigen

Beim Fotografieren beachten:

  • Fester Stand des Stativs
  • Fernauslöser oder Selbstauslöser der Kamera verwenden
  • manuelle Fokussierung
  • Blitz ausgeschaltet
  • Belichtungsreihen in den unterschiedlichen Phasen der Mondfinsternis machen, um optimale Einstellungen zu finden
  • Blende weit offen
  • ISO so niedrig wie möglich
  • Belichtungszeit so kurz wie möglich

 

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