Kerala Backwaters

Die Kerala Backwaters – Ausflug in ein entschleunigtes Indien

Der Unterschied könnte nicht größer sein: während sich Mumbai und Agra bei unserer Indien-Reise laut und hektisch präsentierten, erscheinen uns die Kerala Backwaters geradezu als ein Ort der Entschleunigung. Auch die an manch anderen Orten allgegenwärtige Armut springt uns hier nicht so sehr ins Auge. Man sagt, Kerala ist der perfekte Einstieg für Indien-Newbies – das kann ich absolut bestätigen.

Wir machen nur kurz im Rahmen einer Kreuzfahrt in Kochi (früherer Name: Cochin) Station und werden von dort aus einen Ausflug in die Backwaters von Kerala unternehmen. Außerdem ist in Kerala noch ein Ausflug zu einer Gewürzfarm geplant. Als passionierte Hobbyköchin freue ich mich natürlich ganz besonders darauf, viele dieser typischen Gewürze der indischen Küche vor Ort zu entdecken.

die Kerala Backwaters in Südindien

Der Bundesstaat Kerala in Indien

Der südlichste Bundesstaat des Landes befindet sich an der Südwestküste Indiens. Viele Besucher kommen nach Kerala, um sich in Ayurveda-Zentren zu entspannen und revitalisieren zu lassen.

Kerala ist bekannt für seine atemberaubende Landschaft, reiche Kultur und vielfältige Traditionen. Die Landschaft ist durch eine Mischung aus Stränden, Backwaters (Binnengewässer), Bergregionen und dichtem Regenwald geprägt.

Der Bundesstaat beherbergt mehrere Nationalparks und Wildreservate, darunter den Periyar-Nationalpark, der für die dort beheimateten Tiger und Elefanten bekannt ist und das Kumarakom Vogelschutzgebiet mit einer Fläche von 14 Hektar am Ufer des Vembanad Sees.

Kerala war historisch gesehen ein wichtiger Handelsplatz für Gewürze wie Vanille, Pfeffer, Kardamom und Zimt. Der Staat wird oft als „Gewürzgarten Indiens“ bezeichnet.

Vanilleblüte

Die Chinesischen Fischernetze in Kochi

Bereits bei der Einfahrt in den Hafen von Kochi können wir eines der Wahrzeichen der Küstenstadt sehen: die chinesischen Fischernetze, in der Malayalam-Sprache „Cheenavala“ genannt. Diese Fischernetze sind ein Erbe der Handelsbeziehungen zwischen China und Kerala, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen.

Es handelt sich dabei um massive, hölzerne Konstruktionen, die wie riesige Hängematten am Ufer des Meeres aufgestellt sind. Sie bestehen aus Holzrahmen, die mit starken Seilen und Netzen verbunden sind. Ein Gegengewicht aus Steinen sorgt dafür, dass das Netz ins Wasser eintaucht. Die Fischernetze werden von einer Gruppe von Fischern bedient, die sie mithilfe von Holzarmen in das Meer senken und dann nach 5 bis 20 Minuten im Wasser wieder langsam herausheben und mit ihm die Fische, die in Ufernähe schwimmen. Das mehrere Jahrhunderte alte Funktionsprinzip der chinesischen Netze bewährt sich auch heute noch.

Was diese Fischernetze so einzigartig macht, ist ihre Erscheinung und Funktionsweise, die an sich schon eine Touristenattraktion darstellen und natürlich sind die Netze ein sehr beliebtes Fotomotiv. Leider habe ich es irgendwie verpasst, ein schönes Foto aufzunehmen.

Kochi – und plötzlich beginnt die Wasserwelt

Kochi liegt am Arabischen Meer – aber nicht nur deshalb ist Kochi eine Stadt, in der das Wasser allgegenwärtig ist. Sie ist für uns quasi das Tor zu einer faszinierenden Wasserlandschaft. Sobald wir die Stadt hinter uns lassen und in Richtung Kerala Backwaters aufbrechen, verändert sich die Landschaft deutlich. Das geschäftige Treiben Kochis bleibt zurück, die Wasserwege werden mit zunehmender Entfernung schmaler und an ihren Ufern befinden sich Kokospalmen, kleine Häuser und Gärten.

Vor uns liegt eine der faszinierendsten Landschaften Keralas: die Backwaters.

Was sind die Backwaters von Kerala?

Die Kerala Backwaters in Indien sind ein Netzwerk von Wasserstraßen, Seen und Lagunen, die durch Flüsse und Kanäle verbunden sind. Eine unberührte Naturlandschaft ist dies jedoch nicht. Es ist ein dicht besiedelter Lebensraum.

Einige der Wasserwege sind natürlich entstanden, andere wurden im Laufe der Zeit von Menschen angelegt und erweitert.

Kleine Fischerboote ziehen vorbei, Menschen erledigen ihre alltäglichen Wege am Ufer und zwischen den Palmen öffnen sich immer wieder weitere Kanäle. Es ist eine Landschaft, in der die Kanäle als Verkehrsadern genutzt werden und das Boot zum Alltag gehört.

Ein bedeutender See, der Teil dieses Backwater-Systems ist, ist der Vembanad-See. Dabei handelt es sich um den größten See in Kerala und gleichzeitig den zweitgrößten See in ganz Indien. Im Ort Kumarakom, einem beliebten Reiseziel am Vembanad-See nahe des dortigen Vogelschutzgebietes, gibt es diverse Luxusresorts.

Hausboottouren durch die Kerala Backwaters

Hausboottouren durch die Backwaters und auf dem Vembanad See sind eine beliebte Touristenattraktion. Die Boote sind speziell für diese Art von Touren gestaltet – es sind schwimmende Unterkünfte. Sie verfügen über Schlafzimmer, Badezimmer und eine offene Veranda. Neben dem Bootsführer sorgt ein Koch für das Wohl der Gäste. Die sogenannten Kettuvallams waren ursprünglich Lastkähne, mit denen Reis und andere Waren transportiert wurden.

Heute sind viele von diesen Kähnen zu (relativ) komfortablen Hausbooten umgebaut. Eine Fahrt in den traditionellen Booten durch die Kerala Backwaters ist beinahe vergleichbar mit einer Gondelfahrt durch die Kanäle von Venedig – und sie hat natürlich auch ihren Preis.

Hausboote für Touren durch die Kerala Backwaters

Ausflug durch die Kerala Backwaters

Auch wir haben uns bei unserem Landgang in Kochi für eine Bootstour durch die Kerala Backwaters entschieden – wenn auch leider nicht mit einem Hausboot, sondern einem Ausflugsboot. Dennoch werden wir die speziellen Boote natürlich bei unserer Tour beobachten können und ebenfalls den Charme der kleinen Kanäle genießen.

Ausflugsboot auf den Kerala Backwaters

Unser Ausflug beginnt im Hafen von Cochin, einer historischen Stadt, die für ihre kolonialen Einflüsse, alten Handelshäuser und bunten Märkte bekannt ist. Nach dem Verlassen des Hafens bringt uns ein Bus in Richtung der Backwaters, die nur eine kurze Fahrt entfernt liegen.

Sobald alle Ausflügler einen Platz auf dem Boot eingenommen haben, steuert der Kapitän langsam von der Anlegestelle in die ruhigen Gewässer der Kerala Backwaters.

Entlang der Ufer ziehen Palmenhaine vorbei. Die Luft ist frisch und klar, und der Klang von Vogelgesang erfüllt die Umgebung. Mitreisende entdecken einen Eisvogel, leider gelingt mir kein Foto von ihm.

Das Boot gleitet an kleinen Fischerdörfern vorbei und ermöglicht uns einen Einblick in den Alltag der hier lebenden Menschen. Kinder winken fröhlich von den Ufern und Einheimische gehen ihrem morgendlichen Ritual nach, sei es ein morgendliches Bad im Fluss oder das Säubern der Wäsche.

eine Frau wäscht Kleidung am Ufer

Die Landschaft ändert sich ständig, während das Boot durch enge Kanäle, breitere Flussläufe und offene Seen gleitet. Mitunter passieren wir Reisfelder und gelegentlich tauchen kleine Tempel und Kirchen am Ufer auf, die von üppigem Grün umgeben sind.

Später lassen wir die Kanäle der Kerala Backwaters hinter uns und das Ausflugsboot fährt über den Vembanad See zu einem der Luxushotels an dessen Ufer. Hier endet unsere Fahrt – in dem hübschen Hotel nehmen wir noch ein Essen ein und ein Bus bringt uns anschließend wieder zurück in den Hafen von Kochi zu unserem Schiff.

Kerala, das Land in dem der Pfeffer wächst

Ich erinnere mich noch lebhaft daran, als ich während unserer Reise in einem indischen Restaurant im Hotel in Agra von der Karte ein als „medium spicy“ ausgezeichnetes Gericht bestellt und probiert habe. Nach wenigen Bissen war Schluss, es war einfach zu scharf.

Indien ist nun mal das Land der Gewürze – und dazu gehören nicht nur Chili, sondern noch viele andere Aromen wie beispielsweise Pfeffer, Kardamom, Nelken, Zimt, Ingwer, Kurkuma, Vanille und Muskatnuss. Viele dieser Gewürze werden an der Malabarküste kultiviert und wenn sich die Möglichkeit bietet, solltest du unbedingt auch die Gelegenheit zum Besuch eines Gewürzgartens nutzen. Es gibt in Kerala verschiedene dieser Gewürzfarmen, die die Gäste in die Welt der exotischen Gewürze und Aromen einladen.

Bei einem Rundgang erfahren die Besucher Interessantes über die Anbautechniken, den Erntezyklus und die Verwendungsmöglichkeiten der verschiedenen Gewürze.

Pfeffer

Viele Gewürzgärten haben auch kleine Geschäfte, in denen eine Vielzahl von Gewürzen und Gewürzmischungen erhältlich ist. Allerdings – sie werden nicht in so kleinen Packungsgrößen verkauft, wie wir sie aus Deutschland kennen. Ich habe mich für zwei „kleine“ Gewürzpäckchen entschieden und hatte dann mal eben jeweils 250 Gramm Chili und Garam Masala. Beides auch vom Schärfegrad weit über dem, was ich von zu Hause kannte, so dass ich davon deutlich weniger verwende, als in meinen Rezepten normalerweise angegeben.

Außerdem habe ich noch ein Päckchen getrocknete Vanilleschoten gekauft – das hat sich hinsichtlich des Preises absolut gelohnt und die Qualität war auch okay. Will sagen: wenn du die Möglichkeit hast, in einer dieser Gewürzfarmen vorbeizuschauen und vor Ort einzukaufen: es lohnt sich. Dunkel und trocken aufbewahrt, halten die Gewürze auch lange ihr Aroma.

Wann ist die beste Reisezeit für Kerala?

Wenn du wie wir im Rahmen einer Kreuzfahrt Kerala besuchst, dann musst du dir vermutlich gar keine Gedanken um die beste Reisezeit machen. Die Reedereien planen ihre Routen schon von Haus aus so, dass die Gäste währen einer angenehmen Reisezeit die Region erleben können.

Wenn du jedoch eine individuelle Reise planst, dann lohnt sich durchaus ein Blick auf die nachfolgende Zusammenstellung.

Die Temperaturen in Kerala sind ganzjährig hoch, ebenso die Luftfeuchtigkeit. Ein wesentlicher Faktor für die Bestimmung der besten Reisezeit für Kerala ist daher die Niederschlagsmenge.

Winter (Dezember bis Februar): Dies ist die beliebteste Reisezeit für Kerala, da das Wetter angenehm kühl und trocken ist. Die Temperaturen liegen tagsüber normalerweise zwischen 28°C und 32°C und nachts sinken sie auf etwa 18°C. Dies ist eine großartige Zeit für Sightseeing, Strandausflüge und andere Outdoor-Aktivitäten.

Sommer (März bis Mai): Die Sommermonate in Kerala können heiß und feucht sein, wobei die Temperaturen tagsüber oft über 35°C liegen. Diese Zeit ist weniger beliebt für Touristen, aber wenn du keine Probleme mit der Hitze hast, eignet sich auch diese Zeit gut für einen Besuch der Region. Beachte jedoch, dass dies auch die Zeit der Sommermonsune ist – es können gelegentliche Regenschauer auftreten.

Monsunzeit (Juni bis Oktober): Kerala erlebt während dieser Zeit die Südwestmonsunregen. Während die Landschaft grün und üppig wird, können die starken Regenfälle zu Überschwemmungen und Straßenblockaden führen. Dies kann die Reisepläne beeinträchtigen, aber es ist auch eine großartige Zeit, um die spektakulären Wasserfälle und die beeindruckende Landschaft zu erleben.

Post-Monsunzeit (November): Nach dem Monsunzeitraum beginnt Kerala sich zu erholen, und das Wetter wird wieder angenehmer. Dies ist eine gute Zeit für Reisende, die die grüne Landschaft und die noch nicht zu starken Touristenströme genießen möchten. Es ist zu beachten, dass in dieser Zeit noch mit Regenfällen zu rechnen ist.

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