Xi‘an und die Terrakotta-Armee des ersten Kaisers von China

2200 Jahre alte Tonsoldaten und die längste Stadtmauer Chinas

Der wesentliche Grund, weshalb wir Xi’an in die Route für unsere China-Rundreise aufgenommen hatten, ist die Terrakotta-Armee. Wir hatten schon viel darüber gehört, eine Fernsehdokumentation darüber gesehen und auch in Zeitschriften davon gelesen.

Die Terrakotta-Armee ist Teil der bei weitem noch nicht vollständig erschlossenen Grabanlage des ersten chinesischen Kaisers. Sein Verdienst ist es, die diversen chinesischen Königreiche zu einem großen Reich vereint zu haben, mit einem Währungssystem und einer einheitlichen chinesischen Schrift. Sein Bekanntheitsgrad gründet sich allerdings neben seinem tyrannischen Herrschaftsstil vor allem auf die während seiner Regentschaft entstandenen großen Bauwerke, wie die Große Chinesische Mauer und eben die bereits erwähnte Grabanlage mit der Terrakotta-Armee.

Wegen letzterer haben wir nun also den Weg nach Xi’an gefunden, in eine Stadt, von der ich zuvor noch nie etwas gehört hatte. Schauen wir mal, was uns erwartet.

Über unsere deutsche Reiseagentur haben wir einen Guide mit Auto gebucht, um relativ unkompliziert zu den Sehenswürdigkeiten zu gelangen. Da ist natürlich die bequemste Variante, allerdings kann man auch ganz einfach mit dem öffentlichen Bus der Linie 306 vom Bahnhof bis zu den Ausstellungshallen der Terrakotta-Armee fahren. Die Fahrt – egal ob nun mit Bus oder Auto – dauert ungefähr eine Stunde. Sie führt über eine Autobahn – hier traue ich meinen Augen kaum: entlang der Autobahn stehen Verkäufer, die rotbäckige Äpfel zum Kauf anbieten.

Ausstellungshallen der Terrakotta-Armee
Apfelverkäufer an der Autobahn

 

Schließlich fahren wir durch eine Mautstation und danach sehen wir keine Händler mehr an der Straße.

Xian Mautstation auf der Autobahn
Mautstation auf der Autobahn

 

Die Anfahrt endet in ca. einem Kilometer Entfernung vor dem Ausstellungsbereich. Von dort aus geht es zu Fuß weiter, vorüber an gefühlt hunderten Souvenirständen, deren Verkäufer Miniaturausgaben der weltberühmten Terrakottakrieger an die vorbeieilenden Touristen bringen möchten. Wir möchten aber zunächst die Originale sehen und uns steht nicht der Sinn danach, die Figuren durch das gesamte Ausstellungsgelände mit uns herum zu schleppen.

Das Museum besteht aus drei großen Ausstellungshallen und es gibt ein Kino, in dem ein Film gezeigt wird. Wenn man sich diesen anschauen möchte, sollte man das vor der eigentlichen Besichtigung tun – der Film verschafft einen kurzen Einblick in die historische Bedeutung und Einordnung der Terrakotta-Armee und über die Ausgrabungsstätte insgesamt. Wir haben erst kurz vor unserem Besuch eine TV-Dokumentation darüber gesehen und verzichten daher auf den Besuch des Kinos.

Ausstellungshallen der Terrakotta-Armee
Ausstellungshallen der Terrakotta-Armee

 

Die drei großen Hallen sind über die Gruben gebaut, in denen die Tonkrieger freigelegt worden sind. Das Ganze ist nur ein Teil der gigantischen Grabstätte, die der erste chinesische Kaiser noch zu seinen Lebzeiten erbauen ließ. Die gesamte Grabanlage umfasst eine Fläche von 56 Quadratkilometern und wurde 1987 in die Liste des UNESCO -Weltkulturerbes aufgenommen. Unter einem Hügel, wenige Kilometer von den Ausgrabungsstätten der Terrakotta-Armee entfernt, wird das eigentliche Grab des Kaisers vermutet, jedoch bislang noch nicht ausgegraben. Die mehr als 7000 Tonkrieger sollten den ewigen Schlaf des ersten Kaisers von China bewachen – und diese Aufgabe haben sie bisher wohl auch recht gut erfüllt.

Wir betreten zuerst die Halle 1 und sind überwältigt von dem Anblick, der sich uns bietet. Eine Armee von Tonsoldaten, überlebensgroß. Es müssen Hunderte, Tausende, sein, die in dieser schier endlos wirkenden, riesigen Halle nebeneinander und hintereinander aufgereiht stehen. Ein Gänsehautmoment.

Wenn man genauer hinschaut, erkennt man in den 11 langen Gräben viele Individuen – die Figuren unterscheiden sich in den Gesichtern, in der Körperhaltung, im Bauchumfang – als wären sie tausenden lebendigen Vorbildern nachempfunden. Beinahe ist es, als würden sie jeden Moment losmarschieren.

Terrakotta-Armee Xian

Terrakottaarmee Halle 1

zerstörte Terrakotta-Krieger

Wenn man den Blick über die Grube schweifen lässt, erkennt man im hinteren Bereich die noch nicht restaurierten Figuren. Es sieht aus, als hätte hier gerade eine Schlacht getobt – die Terrakotta-Soldaten liegen in Scherben völlig durcheinander in den Gräben. Hier kann man erkennen, wie die Gruben vorgefunden worden sind. Und wir erhalten einen Eindruck, welcher Aufwand und wieviel Arbeit hinter der im vorderen Bereich zu besichtigenden, perfekten Szenerie stehen muss.

Die beiden weiteren Hallen sind auch sehr interessant, aber bei weitem nicht so spektakulär wie die erste Ausstellungshalle. In den Gruben 2 und 3 sieht man bedeutend weniger Soldaten, dafür aber Bogenschützen und einen Kommandostand mit Offizieren, die man angeblich unter anderem an ihrem größeren Bauchumfang erkennen soll. In Vitrinen sind einige besonders gut restaurierte Figuren ausgestellt. Leider hinter Glas, aber dafür sind sie ganz aus der Nähe zu bewundern.

Wir haben uns insgesamt ungefähr 2 Stunden vor Ort aufgehalten und die Zeit ist wie im Fluge vergangen. Inclusive Hin- und Rückfahrt und Bummel über den kleinen Souvenirmarkt ist der Ausflug etwas länger als eine Halbtagestour. Am späten Nachmittag sind wir wieder zurück in Xi’an und unternehmen noch einen kleinen Bummel entlang der Stadtmauer. Diese soll die längste Stadtmauer Chinas sein und aus dem 14. Jahrhundert stammen.  An den Wehrtürmen kann man hinaufsteigen, oben kann man wie auf einer breiten Straße die Innenstadt umrunden. Wir haben gelesen, dass ihre Länge mehr als 13 Kilometer beträgt – daher sehen wir von einer Umrundung ab und spazieren nur ein kleines Stück auf der Stadtmauer entlang. Auch einen Park am Fuße der Mauer finden wir sehr sehenswert.

auf der Stadtmauer von Xi'an
auf der Stadtmauer von Xi’an

 

Park an der Stadtmauer in Xi'an
Park an der Stadtmauer in Xi’an

 

Auf dem Rückweg zum Hotel fasziniert uns das Alltagsleben der Chinesen, das auf der Straße stattzufinden scheint. Einige sitzen an einem kleinen Tisch auf dem Bürgersteig bei einem Brettspiel, einige Fahrrad-Lieferanten machen anscheinend gerade eine Pause und an anderer Stelle verkauft eine mobile Straßenhändlerin diverse Speisen.

Straßenszene in Xian

Streetfood in China


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4 Kommentare
  1. Ulrike

    Xi’an! Eine meiner liebsten Städte in China! 5 Mal war ich schon dort und genauso oft habe ich dei Terrakotta-Armee gesehen. In vier Wochen bin ich wieder in Xi’an. Mal sehen, ob ich sie mri noch mal angucke! Deine Fotos machen jedenfalls Lust darauf!
    LG
    Ulrike

    1. Cornelia

      Oh, danke – das freut mich sehr!

  2. Marion

    China ist noch ein weißer Fleck auf meiner Landkarte. Darum hat mir dein Artikel über die Terrakotta Armee sehr gefallen. Ich muss das auch unbedingt live sehen. Schöner Artikel, gern gelesen. LG Marion

  3. Andrea

    Wow, wie beeindruckend sowas mal in der Realität zu sehen! Das möchte ich auch total gerne mal sehen.

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